Tresorschlösser

Welche Schloß passt zu mir?
Ein Schlüssel ist greifbar und strahlt Dominanz und Sicherheit aus, hat aber den Nachteil, dass man ihn aufbewahren und verstecken muß.

Die Zahlenkombination ist nur im Kopf gespeichert, aber durch die Änderung der Drehrichtung hält der Öffnungsvorgang etwas auf.

Das elektronische Kombinationsschloss ist am Einfachsten zu bedienen und läßt sich jederzeit auf eine neue Kombination umstellen.

 

DoppelbartschlossDoppelbartschlüssel
In Tresoren finden wir vorwiegen das asymmetrische Doppelbartschloss, das werksseitig in der Regel mit 2 identischen Schlüsseln ausgeliefert wird. Verwendung findet es aber auch, wegen seiner grundsätzlichen Nachschließerschwernis, in Hochsicherheitsobjekten in deren Türen, Alarmanlagen (Blockschlösser) und Sperrelementen.

Im Tür- und Verschlussbereich finden sich 3 unterschiedliche Ausführungen von Doppelbartschlüsseln:

  • Einfacher Zuhaltungssatz mit einer Zuhaltung (meist Messing) je Schlüsselzuhaltung. Für jede Schließtour (Riegelausschluss) hat der Zuhaltungskanal ein Fenster.
  • Doppeltes Zuhaltungspaket, das ober- und unterhalb des Schlüsseldorns angeordnet ist und je Schließbartseite eine unterschiedliche Schließung besitzt.
  • Doppelbart-Zuhaltungspaket das zwangsläufig, unter Reibung stehend, vom Schlüssel betätig wird.

Ein Chubb- oder Doppelbartschloss besteht aus beweglichen, übereinander liegenden, Messingscheiben.

Diese Scheiben werden von Federn in Richtung Schlüsseldorn gedrückt und bewegen sich mit dem Riegel.

Auf unterschiedlichen Höhen sind in den Zuhaltungen, Aussparungen ausgearbeitet. Durch Anheben der Zuhaltungen (mit dem richtigen Schlüssel) wird eine Stellung erreicht, die einen Kanal freilegt, der bei Übereinstimmung aller Zuhaltungsplättchen den Tourstift in Bewegung setzt.

Die Riegelfestigkeit und der Riegelausschluß entsprechen den gleichen Werten wie sie beim mechanischen Zahlenkombinationsschloss gefordert werden.

In der Regel übertreffen die Tresorhersteller diese Vorgaben um mehr als das Doppelte.

Das Doppelbartschloss ist eine unmittelbare Nachfolge des ursprünglichen Chubbschlosses, das von Jeremiah Chubb im Jahre 1818 entwickelt wurde. Als wahrer Erfinder gilt aber der Engländer Robert Barron, der seine Idee, ein Schloss mit 2 Zuhaltungen zu bauen, bereits 1778 patentieren ließ.

Joseph Bramah meldete 1784 ein Patent für einen neuen Schlosstyp, einen Rundschlüssel mit verschieden tiefen Einkerbungen an, der nicht direkt den Riegel, sondern einen drehbaren Zylinder bewegt. Er war von seiner Erfindung so überzeugt, dass er einen Preis von 200 Guineen für denjenigen aussetzte, der sein Schloss überlisten könne. Er musste diesen Preis nie bezahlen. Nach seinem Tode, im Jahre 1845, gelang es Alfred Hobbs, einem New Yorker Feinschmied, innerhalb von 16 Tagen das Schloss zu überlisten.

Auch Jeremiha Chubb war sich seines Schlosses sehr sicher. 1853 zur Weltausstellung in Chicago, gab er bekannt: „Wer mein Schloss innerhalb von 10 Minuten öffnen kann, erhält 1.000 $ Belohnung“. Mit einer besonderen Werkzeug-Technik öffnete Alfred Hobbs auch dieses Chubbschloss, das als unaufsperrbar galt, in sagenhaften 3 Minuten.

Die Werkzeug-Technik ging als Hobbs`sche Öffnungstechnik in die Schloss- und Tresorgeschichte ein.

 

Zahlenkombinationsschloss
Aus Filmen kennen wir die Szene, in der ein Safeknacker gespannt vor dem Tresor steht, in der linken Hand ein Stethoskop hält und dem knacken (oder was auch immer) der Kombination lauscht.Zahlenkombination

Dieser Filmgag wird seit Jahrzehnten von Film zu Film weitergereicht. Der Drehbuchautor, der sich diese „Öffnungs-Technik“ einfallen ließ, hätte sich den Gag durch ein Copyright schützen lassen sollen. Eine Tresorkombination kann man auf diese Weise weder manipulieren, noch „knacken“.

Die VdS-Richtlinie Nr. 2396 enthält in Verbindung mit der Norm EN 1300 : 2013-11 Mindestanforderungen und Prüfmethoden für Hochsicherheitsschlösser, die in Türen von Wertbehältnissen (Wertschutzschränke und Wertschutzräume) eingebaut werden. Die Richtlinien gelten für mechanische und elektronische Schlösser, die über Zeitsteuerungen, z.B. Sperrzeiten, verfügen können.

Abweichend, von der EN-Klassifizierung, werden die Schlösser in 4 Klassen, von Klasse 1 (niedriger Sicherheitsgrad) bis Klasse 4 (höchster Sicherheitsgrad), eingeteilt.

Mindestanforderungen

Klasse nach VdS

Vergleich nach EN 1300

Anzahl nutzbarer Codes

1

A

80.000

2

B

200.000

3

C

1.000.000

4

D

3.000.000

Mehrbenutzercodes, erhöhen die Mindestanzahl der nutzbaren Codes um die Anzahl der Parallelcodes.

(Beispiel: Ein Schloss der Klasse 1 soll von 3 Personen, mit jeweils einer eigenen Schließung, geöffnet werden. Das ergibt 3 Schließungen x 80.000 Codes = 240.000 Codes).

Überlagernder Code
Ein Werkscode für Reparaturarbeiten oder ein Hauptschließcode ist nicht zulässig. Funktionen, die bei Betriebsstörungen das Schloss ohne vorherige Code-Eingabe entsperren, sind ebenfalls nicht erlaubt.

Funktion des Kombinationsschlosses
Im Prinzip funktionieren die meisten Zahlenkombinationen führender Hersteller (Sargent & Greenleaf, La Gard, Kromer und Ilco Unican Corp.) in ähnlicher Weise.

Zahlenkombination Getriebe

Ein Zahlenkombinationsschloß mit 3-Scheiben (Klasse 3), wird durch die Eingabe von 3 Zahlen, an der Kombinationsskala (zwischen 0 und 100) geöffnet. Durch Drehung in verschiedene Richtungen werden die „Mitnehmer“ aktiviert.

Aus technischen Gründen soll die letzte Zahl höher als 20 sein und es sollten alle Zahlen mindesten 3 Skalenstriche auseinander stehen. Dadurch erhalten wir eine Kombinationsvariante von 1 Million (100³) Möglichkeiten. Hinzu kommt die zu ändernde Drehrichtung, in Verbindung mit der Drehanzahl.

Bei der 4-Scheiben-Kombination ergeben sich 1004 -Möglichkeiten, also 100 Millionen Einstellvarianten.

 

Öffnungsvorgang
Die Zahlenfolge
10 – 20 – 30 wird häufig als Werkseinstellung ausgeliefert. Ausgehend von der Kerbe (Öffnungsmarkierung) in der Unterplatte, drehen wir zur Demonstration: Umstellung ZK

  • 4 x nach links über die 10 und bleiben beim 4. Mal auf der 10 stehen. Das Tempo spielt keine Rolle, es sind sogar Pausen möglich. Bei der ersten Zahl muss die Drehung mindestens 4 mal erfolgen. In die entgegengesetzte Richtung drehen, macht den Drehvorgang ungültig.
  • 3 x nach rechts über die 20 (Die erste Zahl 20 liegt rechts daneben!) und beim 3. Mal auf der 20 stehen bleiben.
  • 2 x nach links über die 30 und beim 2. Mal auf der 30 stehen bleiben.
     
  • 1 x nach rechts bis zum Anschlag. Nun muss nur noch der Widerstand überwunden werden und schon ist die Kombination geöffnet.

Verschließen (verwerfen)
Der Zahlenknopf muss bei der 3-Scheiben-Zahlenkombination mindestens eine volle Umdrehung nach links gedreht werden. Bei der 4-Scheiben-Kombination ist mindestens eine volle Umdrehung nach rechts  erforderlich. Danach ist das Zahlenkombinationsschloß wieder verschlossen.

 

Umstellvorgang
Bei geöffneter Tresortüre und ausgefahrenem Schlossriegel (Zahlenkombination geöffnet) wird der Öffnungsvorgang wiederholt. Statt die bisher verwendeten Geheimzahlen auf der Öffnungsmarke zu positionieren, werden diese auf der Umstellmarke eingestellt. Nachdem die dritte Zahl auf der Umstellmarke zum Stehen kommt, wird auf der Türinnenseite der Umstellschlüssel – ohne Gewalt – in das Umstellschlüsselloch eingeführt und nach rechts bis zum Anschlag geöffnet (gedreht).

Im nächsten Schritt wird bei steckendem Schlüssel die neue Geheimzahlen-Kombination – an der Umstellmarkierung – eingestellt. Sobald die dritte Zahl auf der Umstellmarkierung steht, wird der Schlüssel nach links zurückgedreht und der Schlüssel abgezogen.

Ehe die Türe verschlossen werden darf, ist die neue Kombination mehrmals einzustellen und der Riegel der geöffneten Türe zu betätigen.

Für die Wahl der Codierung dürfen keine persönlichen Daten, wie Geburtsdatum oder Hochzeitstag, verwendet werden, auf die durch die Person des Kombinationsinhabers, geschlossen werden könnte.

Das Kombinationsschloss besitzt ein bewegtes Innenleben. Ein Messingbügel, der von einer Feder permanent nach oben gedrückt wird, gleitet berührungslos über die rotierenden Scheiben. Nach der letzten Drehung wird der Bügel durch die Mechanik nach unten gezogen und fällt, sofern alle Scheiben in richtiger Stellung stehen, also die 3 Kerbeinschnitte an der gleichen Stelle sind, in das Kerbental. Durch Überwindung des Widerstandes (Zurückziehen des Riegels), lässt sich das Schloss öffnen.

Zu Reparaturarbeiten an Tresoren wurde in Amerika der Kombinations-Automat entwickelt.

Das elektrische Öffnungsgerät arbeitet auf Basis eines  fleißigen Helferleins, das sämtliche Möglichkeiten einer 3-Scheiben-Zahlenkombination (1 Million) ausprobiert.

Hierzu wird ein Computergesteuerter Antriebsmotor (Schrittmotor) auf die Tresortüre mit Magneten aufgesetzt, der mit Turbo-Geschwindigkeit alle Kombinationen ausprobiert.

Würde ein Mensch dies parallel versuchen, so würde er, selbst wenn er 24 Stunden ohne Pause arbeitet, 174 Tage (bei 15 Sekunden je Variante) benötigen. Der Automat schafft es in 30 Stunden.

Der Kombinations-Automat wird von Tresorreparaturdiensten eingesetzt, in Fällen in denen der Tresorbesitzer seine Kombination ganz oder teilweise vergessen hat. Auftraggeber sind unter anderem Nachlassgerichte, wenn beispielsweise der Eigentümer verstorben ist oder Gerichtsvollzieher.

 

Elektronische Codetastatur
Die Eingabe, die sicherheitshalber 6- oder 8-stellig (Klasse 3 oder 4) sein muss, kann als Zahlen- oder Buchstabenfolge erfolgen. Bei richtigem Code wird eine Freigabe des Schlosses ausgelöst.

 

Eingabeeinheiten Elektronikschlösser

Redundanz
Elektronische Schlösser der Klasse 3 und 4 sind so aufgebaut, dass ein Fehler oder Ausfall eines Bauteils nicht zu einer Verminderung der Sperrfunktion oder der Betriebssicherheit führt.

Die Variationsmöglichkeiten entsprechen denen des mechanischen Kombinationsschlosses. Die vorgegebene Anzahl an Fehlversuchen, löst nach einer Überschreitung eine Sperre aus, die mehrere Minuten beträgt. Dadurch entfällt die Chance, alle Möglichkeiten auszutesten, denn der benötigte Zeitbedarf würde sich über viele Jahre erstrecken. Die EN 1300 schreibt aber auch eine gleichzeitige Information für den Benutzer (optisch oder akustisch), über Fehler in der Schlosselektronik oder die Auslösung der Sperre, vor.

Energieversorgung
Die notwendige Stromversorgung kann über Batterien erfolgen, die sich in der Innenseite des Tresors befinden. Wird die Batterie zu schwach, so meldet sie vorher rechtzeitig den Ladezustand. Batteriebetriebene Schlösser müssen mindestens ein Jahr, ohne Batteriewechsel, bei 3.000 vollständigen Öffnungsvorgängen (geringer Stromverbrauch) funktionieren.

Eine Manipulation der Stromzufuhr ist nicht möglich, da ein trennen oder überbrücken des Zuleitungskabels lediglich die Stromversorgung unterbrechen würde. Die Elektronik, die für die Freigabe zuständig ist, betätigt den Motor zur Riegelausfahrung ausschließlich bei Übereinstimmung mehrerer Zustandsfolgen.

In der Elektrik spricht man von einer UND-Schaltung, bzw. einer Zwangsläufigkeitsfreigabe.

Das Schloss kann mit einer Einbruchmeldeanlage gekoppelt werden. Parallel zum „Öffnungscode“ wird ein „Alarmcode“ programmiert. Dieser wird eingegeben, wenn ein Räuber mit gezogener Pistole hinter Ihnen stünde und Sie keinen lauten Alarm auslösen dürfen, aber der Tresor trotzdem geöffnet werden soll. Damit die Angabe ihrer Todesursache nicht als „Selbstmord“ gewertet wird, scheidet eine laute Alarmierung aus.

Der Alarmcode öffnet den Tresor ohne Auffälligkeiten und löst die „Überfallmeldelinie“ der Alarmanlage aus, welche über die Telefonleitung eine Alarmmeldung an das Wach- und Sicherheitsunternehmen absetzt. Richtig programmiert, erscheint dort die Meldung: „Auslösung: Tresor-Sabotagecode“. Der Wachhabende weiss nun sofort, dass seine Meldung zur Polizei lauten muß: „Überfall bei Familie XY, Ortsteil, Straße, Hausnummer“.

Das Verschließen ist einfach. Durch mechanisches Verriegeln (Griff) wird das Schloss in die Position „verschlossen“ manövriert.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Hochsicherheitsschlösser auch durch abgesetzte Eingabeeinheiten fernbedient werden:

  • wenn die Übertragung des Öffnungscodes zum Schloss, in verschlüsselter Form, mit einem Wechselalgorythmus erfolgt
  • wenn sichergestellt ist, dass keine unberechtigten Personen Zugang zum Wertbehältnis erlangen (z.B. EMA ZKA, Videoüberwachung, Personenüberwachung).

Das größte Sicherheitsrisiko entsteht bei einer routinemäßigen Nutzung, wenn nach der Benutzung das Tastenfeld nicht abgewischt wird und so die abgenutzten und wiederholt gedrückten Tasten ermittelt werden können.

Ein weiteres Manko, bzw. Sicherheitsrisiko sind werkseitige Generalcodes, bei älteren und einfachen Codeschlössern, wie sie vorwiegend bei Hotelsafes zum Einsatz kommen.

 

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